"Das Hagelwetter"
Typisches "Hagelwetter" liegt vor, wenn folgende Tatsachen gegeben sind:
- rasche Erwärmung der Luft in Bodennähe;
- hoher Feuchtigkeitsgehalt der Luft, also extrem schwüles Wetter, bei dem der "Taupunkt" meist bei etwa 15-17°C liegt;
- schnelles, ungehindertes "Emporstrudeln" dieser feuchtwarmen Luft mit einer Geschwindigkeit von 15-30 m/sec bis in eine Höhe von etwa 8000 m.
Da aber während der Entstehung der ersten Hagelkörner in der Regel immer noch ein starker Aufwind bis etwa 30 m/sec herrscht, der einen "Aufwindschlot" bildet, benötigen die Hagelkörner in diesem einen gewissen Mindestdurchmesser, um durch ihre Schwere gegen den Widerstand des Aufwindes zur Erde fallen zu können. Die Geschwindigkeit, mit der die Hagelkörner zur Erde fallen, ist abhängig von ihrer Größe. Extrem große Hagelschlossen von 80 bis 100 mm Durchmesser, wie sie vor allem in den USA, aber auch in Europa, beobachtet wurden, prallen mit 40-60 m/sec auf den Boden auf. Es ist verständlich, dass mit derartiger Wucht niederfallende Hagelkörner zu Verletzungen der betroffenen Pflanzen oder gar zu deren totaler Vernichtung führen.
Räumliche Verteilung und Intensität von Hagelschlägen
In der Regel treten Hagelschläge mehr oder weniger lokal auf, da die zu ihrer Entstehung führenden Witterungsbedingungen nur in regional eng begrenzten Bezirken vorliegen. Das gilt vor allem für die als Folge lokaler Wärmegewitter niedergehenden Hagelschläge, die über 50% aller Schadenfälle ausmachen. Wenn der Hagel aber im Zusammenhang mit hagelführenden Kaltfrontgewittern fällt, so entstehen weiträumige Hagelzüge, die bis 10 km breit sind und sich über Hunderte von Kilometern erstrecken, so dass großflächig schwerste Zerstörungen möglich sind, vor allem, wenn - wie es häufig vorkommt - mehrere solcher Hagelstriche parallel ziehen oder sich weiter teilen. Dabei können nahe beieinander liegende Regionen schwer geschädigt oder völlig verschont werden. In Mitteleuropa verlaufen großflächige Hagelzüge unter dem Einfluss des Golfstromes vorwiegend von Südwesten nach Osten.
Im Allgemeinen ist die räumliche Verteilung der Hagelschläge aber unregelmäßig. Man kennt, wie die Statistiken der Hagelversicherungen zeigen, Gebiete, in denen es nur selten hagelt, beispielsweise längs der Küste. Andererseits sind manche Lagen der Mittelgebirge und im Alpenvorland besonders hagelgefährdet. Diesem Umstand tragen die unterschiedlichen Regionaltarife der Hagelversicherungen Rechnung.
Welche Rolle spielt die Geländestruktur?
Die Intensität eines Hagelschlages ist nicht nur von der Größe und Dichte der niedergehenden Hagelkörner und von der Dauer des Hagelschlages abhängig. Sie wird oft wesentlich dadurch beeinflusst, dass gleichzeitig starker Wind oder gar Sturm herrscht.
Eine wesentliche Rolle spielt auch die Geländestruktur. Vor Anhöhen, ja sogar vor Waldrändern, kann sich der Hagel "stauen". Dann kommt es an solchen Stellen zu besonders hohem Schaden. Umgekehrt vermögen Bodenerhebungen, Waldfronten oder sogar Gebäude an der wetterabgewandten Seite schadensmindernd zu wirken.
Im Extremfall kann der Hagel so dicht fallen, dass der Boden mit einer dicken, geschlossenen Eisdecke aus Hagel bedeckt ist.


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