Bezirksdirektion Nürnberg: Hagelschäden vom 11. bis 17. Juli 2010
21.07.2010 Von: Volker LindloffFünf Hageltage infolge verursachen drei Millionen Euro Schaden in Bayern

Körnerausschlag durch Hagel an Winterweizen

Stark verhagelter Mais kurz nach dem Fahnenschieben

Starker Blattverlust durch Hagel an Tabakpflanzen
Letzte Woche wüteten schon wieder schwerste Unwetter mit Sturm, Starkregen und Hagel über Unterfranken, Nieder- und Oberbayern. Die Bezirksdirektion Nürnberg registrierte innerhalb von nur sieben Tagen fünf Schadentage: Es hagelte am 11. und 12. Juli im Raum Unterfranken, am 14. Juli im Raum Passau und München und am 16. und 17. Juli am Starnberger See. Von diesen fünf Schadentagen erhielt die Bezirksdirektion bis heute 550 Schadenmeldungen. „Wir rechnen damit, dass sich Zahl noch auf 600 bis 700 Meldungen erhöhen wird“, so Dr. Gunter Prostinák, Bezirksdirektor in Bayern.
Totalschäden an druschreifem Raps und druschreifer Gerste in Unterfranken
Am 11. und 12. Juli kam es in Unterfranken in einem Schadenstrich von der Region Rotenburg o. d. Tauber über Würzburg, Schweinfurt bis weiter in die Rhön zu schwersten Hagelschäden an Getreide und Raps. Besonders druschreife Wintergerste und druschreifer Raps erlitt dabei vielfach Totalschaden. „In diesem Stadium reichen bereits leichte Hagelschläge aus, um einen Totalschaden herbeizuführen“, so der Bezirksdirektor.
Leichtere bis mittlere Hagelschäden im Raum Passau und München
Am 14. Juli verhagelten Gebiete hauptsächlich im Raum Passau, nordöstlich von München in den Landkreisen München, Ebersberg und Erding mit überwiegend leichten bis mittleren Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und ganz vereinzelt auch an Freilandkulturen.
Hauptschaden am Starnberger See und in ganz Ostbayern
Der Hauptschaden entstand am 16. und 17. Juli. Am 16. Juli kam es zu schweren Gewittern am Starnberger See mit Hagelkörnern bis zu 9 cm Durchmesser, Sturmböen und Starkregen. Es entstanden hohe Sachschäden an Gebäuden und Fahrzeugen. In der Nacht auf den 17. Juli zwischen 2 und 4 Uhr hat es nahezu über ganz Ostbayern punktuell gehagelt – beginnend vom Inntal über Rosenheim, München, Augsburg und Landshut sowie in einem größeren Hagelstrich im Gebiet um Altötting, Mühldorf und Eggenfelden. Weitere ausgeprägte Schadengebiete erstrecken sich über die Regionen Ingolstadt, Regensburg und Schwandorf. Auch hier entstanden Hagelschäden in druschreifen Beständen von Wintergerste und Winterraps, bis hin zu Totalschäden. In Niederbayern kam es im Landkreis Deggendorf zu Hagelschäden an Einlegegurken und an Salat. Weiterhin wurden Zweitschäden an Hopfenreben im Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm registriert .
30 Kommissionen bis Donnerstag im Einsatz
Zur Schadenermittlung ist die Bezirksdirektion Nürnberg seit Montag, dem 19. Juli mit 30 Kommissionen von Sachverständigen im Einsatz. Bereits in der Vorwoche waren 20 Kommissionen zur Endregulierung der Schäden vom 11. und 12. Juli vor Ort unterwegs. „Unsere Sachverständigen konnten bis heute alle Schäden noch rechtzeitig vor dem Dusch begutachten – ein Abschätzen von Probestücken war bisher nicht erforderlich“, so Dr. Prostinák. „In Abhängigkeit vom Umfang verspäteter Schadenmeldungen werden wir noch bis einschließlich Donnerstag mit der Schadenermittlung beschäftigt sein. Dann werden wir die Schadenregulierung einschließlich der Vorbesichtigung von Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und der Sonderkulturen abgeschlossen haben. Sämtliche Schäden an Raps und Getreide sind somit in Bayern zeitnah vor der Ernte endreguliert. Die Entschädigung für die Wintergerste wurde entsprechend des Abschätzfortschrittes bereits ausgezahlt. Die dafür oft durch unsere Landwirte ausgesprochene Anerkennung gilt vor allem den Sachverständigen vor Ort, aber auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bezirksdirektion Nürnberg und der Direktion Gießen“, so der Versicherungsexperte. Die vorrausichtliche Schadensumme von diesen fünf Schadentagen taxiert Dr. Prostinák auf rund drei Millionen Euro.
Sturmschäden an Mais im Raum Regensburg, Starkregenschäden großflächig in Niederbayern
Im Raum Regensburg verzeichnete die Bezirksdirektion Nürnberg auch Sturmschäden an Energiepflanzen - insbesondere an Mais. In Niederbayern kam es in den Landkreisen Rottal a. Inn und Passau am 16. und 17. Juli zu massiven Niederschlägen mit bis zu 120 mm/m² in einer Nacht – die örtliche Presse berichtete, dass in Passau ein Camping-Platz wegen der Starkniederschläge völlig evakuiert werden musste. Dort traten neben Hagelschäden auch schwerste Starkregenschäden an Feldkulturen auf. Leider waren die meisten dieser Bestände noch nicht gegen Starkregen versichert. Neben direkten Starkregenschäden an den erntereifen Kulturen behindern die staunassen Böden zusätzlich den Erntefortschritt bei Raps und Getreide. Der Raps ist vielerorts druschreif, aber die Mähdrescher bleiben sprichwörtlich im Acker stecken.
Ernteschäden durch Hagel sofort und nicht erst nach vier Tagen melden
Im bisherigen Verlauf der Schadenermittlung mussten kein einziges Probestück zur Quotenfeststellung herangezogen werden. Dies war möglich, weil die Vermittler in diesem Jahr ca. 87 Prozent aller versicherten Bestände ihrer zu betreuenden Landwirte über das WEB AV als Voraussetzung einer sehr raschen Schadenmeldung deklariert haben. Bei geschädigten druschreifen Kulturen waren unsere Sachverständigen meist binnen 24 Stunden nach Eingang der Schadenmeldung am Feld. Dennoch bittet der Bezirksdirektor besonders jene von Ernteschäden betroffenen Versicherungsnehmer, dass sie ihre Schadenmeldungen nach vorheriger Flurbesichtigung für die geschädigten Schläge an den zuständigen Vermittler oder direkt an die Bezirksdirektion sehr zeitnah nach dem Hagelereignis übermitteln und keineswegs erst vier Tage abwarten.

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