Hagelschäden
Rückblick Hagelsaison 2011 – höchste Schäden der letzten Dekade
18 Sturm-, Rand- und Orkantiefs sorgten für zahlreiche Hagelunwetter
Die Hagelsaison 2011 war die schwerste der letzten Dekade. Extreme Hagelstürme vernichteten bereits im Juni erhebliche Feldbestände, insbesondere von Mais, in Süddeutschland. Schwer wogen die Spätschäden zur Ernte und frühen Weinlese. Im September richteten extreme Hagelunwetter mit Tornados in Ostdeutschland nochmals millionenschwere Schäden an.
Sturmtief „Udo“ und „Viktor“ – Kernobstschäden im „Alten Land“ und „Kehdinger Land“
Zum ersten markanten Schadentag durch das Sturmtief „Udo“ kam es am 22. Mai in Süddeutschland. Mit 362 Schadenmeldungen traf es den Südosten Baden-Württembergs mit Hauptschadengebiet zwischen Nenningen und Dornstadt und Schäden bei Getreide, Raps, Mais und Wein am schwersten. Nahezu auch das gesamte Bodenseegebiet zwischen Friedrichshafen und Ravensburg war mit überwiegend Obstschäden betroffen. Im Alten Land und im Kehdinger Land verhagelten am 24. und 26. Mai Kernobst in einem Schadenstrich von Jork bis nördlich in die Region Balje/Freiburg (Elbe). Das Kernobst befand sich gerade im Stadium der frühen Fruchtentwicklung, als Hagel mittlere bis schwere Schäden anrichtete.
Sturmtief „Balthasar“ über Pfingsten – millionenschwere Schäden im Ostallgäu
Verheerende Folgen hatte das Sturmtief „Balthasar“ am 6. Juni über Pfingsten in Süddeutschland. In Bayern entstand mit über 2.000 Schadenmeldungen millionenschwerer Schaden. Der südliche Schadenstrich erstreckte sich vom Ostallgäu über Augsburg, Landsberg/Lech bis Fürstenfeldbruck, zog dann südlich und nördlich an München vorbei, traf die Landkreise Dachau und Freising und führte weiter in die Hallertau. Zwischen Marktoberdorf und Buchloe kam es verbreitet zu Umbruchschäden bei Mais, Getreide und Raps. Weiter nördlich verhagelte der Raum Aschaffenburg, Miltenberg und Kitzingen sowie Gebiete Unter-, Mittel- und Oberfrankens. In Baden-Württemberg richtete der Hagel in einem Strich von Fellbach-Ost über Stetten nach Remshalden auf 20 km Länge und 2 km Breite schwere Schäden bei Feldkulturen, Obst, Gemüse und Weinreben an. Zudem führte Starkregen bei Gemüse zu Erosionsschäden. Die Bezirksdirektion in Tamm erhielt rund 190 Schadenmeldungen.
In Rheinland-Pfalz verhagelten vor allem Wein, Obst und Zwiebeln. Betroffen waren Gebiete der Moselhöhen bei Koblenz, die Mittelmosel, das Wonnegau und die Nordpfalz. Auf den Moselhöhen kamen Obst und Wein zu Schaden. An der Mittelmosel verhagelte Wein in den bekannten Weinbauregionen Brauneberg und Maring-Noviand. In Höhe des Frankenthaler Kreuzes kam es zu hohen Schäden an Zwiebeln und Kartoffeln.
Tief „Jörg“ – Weinschäden im Rems-Murr-Kreis
Das Tief „Jörg“ verursachte 1. Juli in ganz Baden-Württemberg heftige Gewitter. Der Bezirksdirektion in Stuttgart wurden 768 Schäden gemeldet. Der Hauptschadenstrich zog sich von Ludwigsburg über den Rems-Murr-Kreis, den Hohenlohekreis bis nach Schwäbisch Hall. Neben landwirtschaftlichen Kulturen mussten zahlreiche Weinschäden im Raum Öhringen und Teilen des Bottwartals reguliert werden. Ein bisher untypischer Schadenstrich erstreckte sich in Bayern vom fränkischen Weinbaugebiet mit Unterbrechungen bis in die Hallertau. Dabei traf es traf es viele Winzer in Franken. Auch Getreide, Mais, Raps und Zuckerrüben kamen in den Landkreisen Würzburg und Kitzingen zu Schaden. Erneut verhagelten Hopfenreben der Hallertau.
Kaltfront „Kurt“ – Hagelschäden in Unterfranken, im Kraichgau und Raum Heilbronn
Am 4. Juli verursachte die Kaltfront „Kurt“ aus westlicher Richtung kommend einen Schadenstrich vom Landkreis Miltenberg bis zum Main-Spessart-Kreis. Hier kam es zu Schäden an erntereifen Getreide- und Rapsbeständen und Mais. Die Kaltfront verursachte auch erhebliche Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen vom Kraichgau bis in Gebiete nördlich von Heilbronn, im Raum Öhringen verhagelten Wein und Obst. Der Hagelstrich maß mit Unterbrechungen fast 120 km Länge. Zudem verzeichnete der Raum Niederstetten südöstlich von Bad Mergentheim zahlreiche Schäden an Feldkulturen
Tief „Leon“ – Hagelwalze vom Raum Tuttlingen bis über die Schwäbische Alb hinweg
Am 7. Juli fegte das Tief „Leon“ über das Donau-Ries und die Oberpfalz in Bayern hinweg. Dabei verhagelten Mais, Getreide und Winterraps mit teils Totalschäden. Am 9. Juli zog eine Gewitterfront mit Hagelschlag erneut über die Gebiete Dillingen und Donau-Ries in Richtung Oberpfalz ab. Dabei kam es zu schwersten Schäden bei Getreide, Raps und Mais. In Baden-Württemberg zog eine 100 km lange Hagelwalze vom Raum Tuttlingen über Sigmaringen bis nach Illertissen quer über die Schwäbische Alb hinweg (1.000 Schadenmeldungen). Östlich von Riedlingen kam es zu Totalschäden an Winterraps und Wintergerste. Am 9. Juli (535 Schadenmeldungen) verhagelten Gebiete um Heidenheim.
Orkantief „Meikel“ – höchster Hagelschaden der Saison 2011
Das Orkantief „Meikel“ (7.000 Schadenmeldungen) richtete in Baden-Württemberg mit fast 23 Mio. € den höchsten Schaden der Saison 2011 an. Das südliche Schadengebiet erstreckte sich vom Ostschwarzwald, über das Hegau und die Schwäbische Alb bis nach Bad Waldsee. Das Epizentrum lag in der Gemeinde Boll, südwestlich von Meßkirch. Dabei verzeichneten Mais, Getreide und Raps vielfach Totalschäden. Weitere Schadengebiete betrafen den Raum Heilbronn, den Ortenaukreis und ein Gebiet bei Schwenningen bis nach Mietingen. Im Raum Heilbronn entstanden Schäden an Feldkulturen und Gemüse, in der Gemeinde Beilstein verzeichnete über die Hälfte der Weinreben schwerste Hagelschäden. Bis zu 170 Sachverständige waren in Baden-Württemberg im Einsatz. Unterstützt wurde die Bezirksdirektion Stuttgart durch Entsendung weiterer Sachverständigen aus den Bezirksdirektionen Alzey, Nürnberg, Hannover, Berlin und Gießen. In Bayern sorgte das Sturmtief „Meikel“ für erneut schwerste Hagelschäden in Unterschwaben. Dabei war erneut das Unterallgäu in einem Strich nördlich des Schadengebietes vom 6. Juni von Hagelschäden betroffen. Getreide und Mais verhagelten im vormals geschädigten Gebiet – dabei wurde im Ostallgäu die zweite Generation Mais erneut im 5-Blattstadium schwer geschädigt.
Sturmtief „Sven“ – Hagelschäden zur Ernte in Mecklenburg-Vorpommern
Das Sturmtief „Sven“ führte am 6. und 8. August nebst verbreiteten Starkniederschlägen zu Hagelschäden im Landkreis Nordwest-Mecklenburg. An druschreifem Winterraps entstanden Schäden von bis zu 80 %, an Winterweizen von bis zu 40 % Schadenquote. Geringer waren die Schäden an Mais und Rüben. Ergiebige und lang anhaltende Niederschläge förderten im Osten Mecklenburg-Vorpommerns das Risiko von Getreideauswuchs und Nassfäule bei Kartoffen.
Sturmtiefs „Zion“ und „Bert“ – Weinschäden an Mittelmosel, Rheinfront in Rheinhessen und im Nordosten der Pfalz
Die beiden Sturmtiefs „Zion“ und „Bert“ verursachten erhebliche Hagelschäden beim Wein an der Mittelmosel, an der Rheinfront in Rheinhessen und im Nordosten der Pfalz. Am 24. August verhagelten die Großräume Oppenheim und Frankenthal. Dabei kamen Wein und Gemüse zu Schaden. Am 26. August trafen Hagelunwetter das Weinbaugebiet Mosel zwischen Cochem und Wittlich. Hierbei wurden großflächig Reben kurz vor der Lese geschädigt. Das Epizentrum des Hagelsturms mit bis zu 700 Gramm schweren Schloßen umfasste die Moselgemeinden Veldenz, Mühlheim und Brauneberg. Zu sehr schweren Schäden kam es auch in den Gebieten Andernach, Simmern und bei Groß-Gerau im Hessischen Ried. In Hessen führte ein Hagelstrich am 18. August von Medebach bis nach Kassel zu mittelschweren Hagelschäden an Getreide und Mais. Am 24. August verhagelten ein Gebiet von Bad Camberg über den Taunus nach Grävenwiesbach, Grünberg bis nach Alsfeld sowie der Raum Büdingen bis nach Wächtersbach. Am 26. August kam es zu Starkregenschäden, wobei neu gedrillter Winterraps Schäden bis zur Umbruchfreigabe davon getragen hatte.
Kaltfront von Tief „Frank“ und Exhurrikan „Katia“ – Hagelstürme und Tornados in Ostdeutschland
Der Monat September war mit 16 Mio. € Schadensumme allein für Hagelschäden bei Feld- und Sonderkulturen so schadenreich wie selten zuvor. Die extreme Kaltfront von Tief „Frank“ in Verbindung mit dem Exhurrikan „Katia“ verursachte am 11. September im Südosten Sachsen-Anhalts schwerste Hagel- und Sturmschäden (Schadenmeldungen von 91 Betrieben). Vor allem die Kreise Salzland und Anhalt-Bitterfeld, aber auch in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming, Wittenberg, Dessau-Roßlau, Saalekreis, Leipziger Land, in Nordsachsen, in Meißen und im Kreis Oder-Spree verhagelten Zuckerrüben, Mais und Raps sowie auch Gemüse und Kernobst. Regional verhagelte neugedrillter Winterraps derart stark, dass Freigaben zum Umbruch erforderlich wurden. Ein Tornado der Stärke F1/F2 und Hagelkörner bis 7 cm Durchmesser richteten in Elsnigk im Landkreis Anhalt Bitterfeld und auch um Bernburg schwerste Schäden an.
Fazit
Der Schadenverlauf 2011 zeigt einmal mehr, wie wichtig eine Hagelversicherung zur Vorsoge gegen Hagelschäden bei Feld- und Sonderkulturen sowie für Obst und Gemüse im Betrieb ist. Der hohe Anteil an Totalschäden bei Feldkulturen bereits im Verlauf des Monats Juni sowie die hohe Zahl von Ernteschäden von Juli bis September verdeutlichen das hohe Ernterisiko, welches Betriebe in Anbetracht zunehmender Witterungsrisiken ausgesetzt sind. Die immer häufiger mit Hagelschlag gleichzeitig oder auf benachbarten unverhagelten Schlägen auftretenden Sturm- und Starkregenschäden zeigen denn auch, dass neben Hagel immer öfter weitere Gefahren mit im Spiel sind, die vielfach vom Betrieb noch nicht mit versichert sind. Die Vereinigte Hagelversicherung bietet über ihre Secufarm-Produkte auch eine probate Vorsorge gegen Sturm- und Starkregenschäden. Informationen zu Secufarm-Produkten erhalten Sie von Ihrer zuständigen Bezirksdirektion.
Archiv Hagelschäden
In diesem Bereich berichten wir über die Hagelschäden der zurückliegenden Jahre, insbesondere über die vom Hagelschlag betroffenen Regionen und hagelgeschädigten Bodenerzeugnisse.

