Historischer Überblick
Viele Jahrhunderte hindurch betrachtete man Hagelschläge als göttliche Strafen, als Teufelswerk oder auch als Ergebnis der dunklen Aktivitäten von Zauberern und Hexen. Man versuchte daher lange Zeit, das drohende Unheil durch Gebete, Prozessionen oder das Läuten von Hagelglocken abzuwenden. Als aber um 1750 der Hexenwahn endgültig überwunden war und man gleichzeitig begann, die Landwirtschaft intensiver zu betreiben, wuchs das Bedürfnis, den Erfolg des betrieblichen Einsatzes gegen die Zufälle von Hagelschäden abzusichern.
Zunächst geschah das auf karitativem Wege über öffentliche Kollekten durch die Kirchen und andere soziale Einrichtungen, in einzelnen Ländern auch mittels staatlicher Subventionen. Aber erst der Wechsel von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft mit seiner Steigerung der quantitativen und qualitativen Bodennutzung führte zu neuen Erkenntnissen. Jetzt erschien es vielen Landwirten wünschenswert, die dem Einzelnen durch Hagel verursachten Schäden durch möglichst viele, in einer Gefahrengemeinschaft zusammengeschlossene Interessenten gemeinsam zu tragen.
Als Wiege der Hagelversicherung gilt Frankreich. Um 1750 riefen die Grundbesitzer mehrerer Departements die ersten nach dem Gegenseitigkeitsprinzip arbeitenden Hagelversicherungs-Gesellschaften ins Leben. In Deutschland wurden gleichgerichtete Versuche mit staatlicher Unterstützung im Jahre 1770 in den Fürstentümern Ansbach und Bayreuth unternommen.
Die ersten Gesellschaften
Aus dem Jahre 1791 datiert die erste fundierte deutsche Gründung einer Hagelversicherung im Herzogtum Braunschweig, doch hatte die „Braunschweigische Hagelassekuranz auf Gegenseitigkeit“ nicht lange Bestand. 1797 entstand die „Mecklenburgische Hagelversicherungs-Gesellschaft“ in Neubrandenburg. Weitere Gründungen folgten, zum Teil mit staatlicher Unterstützung.
Die ersten Gesellschaften arbeiteten in der Regel auf regionaler Basis und beruhten meist auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Erst 1822 bot die Vorläuferin der 1832 endgültig etablierten „Berliner Hagel-Assekuranz-Gesellschaft“ Versicherungsschutz gegen feste Prämien über größere Gebiete hinweg an.
Im Herbst 1823 fasste ein Gremium bedeutender Grundbesitzer Sachsens den Beschluss, die „Hagel-Schadenversicherungs-Gesellschaft im Königreich Sachsen“ zu gründen. Schon 1829, im Zusammenhang mit der Ausdehnung der Geschäfte auf benachbarte Fürstentümer, folgte die Umbenennung in „Gesellschaft zur gegenseitigen Hagelschäden-Vergütung in Leipzig“. Nach 1831 und dem schadenbedingten Ende eines wesentlichen Wettbewerbers, der „Berliner Assekuranz AG“, konnte die „Leipziger“ erhebliche Zuwachsraten ausweisen. Die folgenden Jahre waren dann durch ein beständiges Wachstum und eine stabile Entwicklung des Unternehmens gekennzeichnet.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden so über zwanzig, meist regional tätige Hagelversicherungs-Gesellschaften auf Gegenseitigkeit, kurz darauf auch die ersten überregionalen Hagelversicherungs-Aktiengesellschaften. Öffentlich-rechtliche Versicherer folgten vergleichsweise spät, so in Bayern erst 1884, wohl vor allem deshalb, weil die Gebietsbeschränkung dieser Unternehmen das Kumulrisiko besonders bedrohlich erscheinen ließ.

Die überregional organisierten Aktiengesellschaften erfassten zwar größere Gebiete, arbeiteten jedoch weitgehend nach privatwirtschaftlichen Prinzipien. So wuchs in der Landwirtschaft der Wunsch nach einer konkurrenzfähigen, übergebietlichen Hagelversicherungsgesellschaft auf genossenschaftlicher Basis. Dieser Wunsch führte 1869 zur Gründung der "Norddeutschen Hagel-Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit zu Berlin".
Das von der "Norddeutschen" angewandte Vorbeitrag-Nachschusssystem war mit dem unter dem Beitrag der Aktiengesellschaften bleibenden Vorbeitrag für die Landwirte verlockend. Sie hatten bei der „Norddeutschen“ die Gewähr, dass sie zu Nachleistungen nur dann herangezogen wurden, wenn die Vorbeiträge zur Deckung der Gesamtkosten nicht ausreichten. Aber selbst bei Nachschusserhebung blieben die Durchschnittsbeiträge im Vergleich zu anderen Gesellschaften jederzeit konkurrenzfähig.
1879 dehnte die "Norddeutsche" ihren Geschäftsbereich auf Bayern, 1884 auf Württemberg und 1887 auf Baden aus.
Besondere Krisenzeiten für alle Hagelversicherungsunternehmen brachten die beiden Weltkriege und deren Folgen, vor allem die Inflationen und die Substanzeinbußen durch die Gebietsverluste Deutschlands.
Hagelversicherungsunternehmen

Die Weltkriege und der weltweite Börsen-„crash“ von 1923 gingen an der „Leipziger“ nicht spurlos vorbei. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges verhinderte die weitere Entwicklung. Infolge der Inflation betrug der Nachschuss 1923 sage und schreibe 3000 Prozent und war bei Eingang der Beträge praktisch wertlos. Die Kriegsereignisse nach 1945 führten bekanntlich zum Verlust der Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie. Der Versicherungsbestand sank dadurch um 75 Prozent. Der Neuanfang nach dem Krieg begann ab 1948 in Hannover.
1980 bestanden in der Bundesrepublik 21 Hagelversicherungsunternehmen. Davon waren sieben öffentliche Anstalten, vier Aktiengesellschaften, fünf größere Versicherungsvereine und fünf kleinere Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Der Umfang der insgesamt versicherten Flächen und der Versicherungswerte stieg ständig an.
Ab Mitte der 80er Jahre waren steigende Selbstversorgungsgrade innerhalb der Europäischen Union Grund für Überlegungen über eine grundlegend geänderte Agrarpolitik. Erste Flächenstilllegungsmaßnahmen ab dem Jahre 1988 ließen das Versicherungsvolumen der Hagelversicherer sinken. Massive Einschnitte folgten aber erst im Jahre 1992 mit der Agrarreform über flächendeckende Stilllegungsverpflichtungen und massive Reduzierungen der Interventionspreise bei Getreide. Damit verbunden war eine Reduzierung der versicherbaren Fläche und ein Rückgang der versicherten Werte pro Hektar. In diese Phase fiel die Verschmelzung der beiden führenden Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in Deutschland. Die Leipziger Hagelversicherung und die Norddeutsche Hagelversicherung verschmolzen mit Wirkung zum 1. Januar 1993 zur Vereinigten Hagelversicherung VVaG und waren damit unangefochten Marktführer in Deutschland.
AgroRisk Gruppe

Die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 erlaubte den deutschen Hagelversicherern wieder, in ihre angestammten Gebiete zurückzukehren und dort ihr Versicherungsgeschäft weiter auszubauen. Die doch gänzlich anderen landwirtschaftlichen Strukturen ließen die Hagelversicherer mit unterschiedlichem Engagement den Aufbau in den neuen Bundesländern vorantreiben.
Mit der Umsetzung der Maßnahmen aus der EU-Agrarreform im Jahre 1992 sanken die Versicherungswerte der Hagelversicherer. Aus dieser Situation heraus und bedingt durch eine Reihe anhaltender schwerer Schadenjahre 1992, 1993 und 1994 vollzog sich auch seitens der Hagelversicherer ein erheblicher Strukturwandel. Die Münchener Hagel übernahm die Hagelversicherungsbestände der Deutschen Versicherungs-AG und der Allianz in den Jahren 1992 und 1994. 1998 schlossen sich die Münchener Hagelversicherung und die Magdeburger Hagelversicherung zur Münchener und Magdeburger Agrarversicherung AG zusammen.
Die Vereinigte Hagelversicherung VVaG erwarb die Kölnische Hagel-Versicherungs AG und gründete mit der ehemals Deutschen Hagel-Versicherung, die jetzt als Gartenbau-Versicherung VVaG firmiert, die AgroRisk Gruppe. Im Jahr 2001 wird die Hagelversicherung nur noch von zwei öffentlich-rechtlichen Hagelversicherern, zwei Aktiengesellschaften, drei größeren Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit und sechs kleinen Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit angeboten. Damit hat sich die Zahl der Anbieter von Hagelversicherungen innerhalb von 10 Jahren mehr als halbiert.

