Witterung
Rückblick 2009 - Das Jahr begann sonnenreich und bei klirrender Kälte
Das Jahr 2009 begann trocken, sonnenreich und bei klirrender Kälte, wobei der Osten und Süden Deutschlands extreme Nachtfröste, der Nordwesten mildere Temperaturen verzeichnete. Extreme Kälte herrschte im östlichen Sachsen, wo die Temperatur bis auf -29 °C zurückging. Extreme Fröste bis -25 °C gab es auch am Mittel- und Oberrhein sowie in den Niederungen Hessens und Frankens. Das östlich gelegene Weingebiet im Sächsischen Elbetal erlitt auf einem Drittel der Rebfläche massivste Frostschäden.
Februar und März - im Süden niederschlagsreich und trübe
Danach wurde es wärmer und regenreich. Im Februar und März erhielten die Mittelgebirgslagen und der gesamte Voralpenraum bis doppelt so hohe Niederschläge als gewöhnlich. Nord- und Ostdeutschland sowie Rheinhessen und Franken blieben dagegen nahezu niederschlagsfrei. Bereits zum Ende des Winters zeichnete sich eine deutliche Zweiteilung des Wetters in Deutschland ab - im Norden war es deutlich trockener als im Süden.
Wärmster und zweitsonnenreichster April seit Wetteraufzeichnungen
Im April setzten hochsommerliche Temperaturen ein und es gab verbreitet nur halb so viel Niederschlag wie im langjährigen Mittel. Dabei blieben der Norden und Osten Deutschlands weiterhin trocken, während der Westen, das westliche Sachsen und Thüringen sowie Nordostbayern höhere Niederschläge als im langjährigen Mittel verzeichneten. Mit 11,8 °C Mitteltemperatur war der April nicht nur um 4,5 °C wärmer als im langjährigen Mittel, sondern der wärmste und der zweitsonnenreichste Aprilmonat seit den Wetteraufzeichnungen überhaupt.
Tropische Temperaturen und Hagelsturm Ende Mai
Der Mai war mit 13,6°C Mitteltemperatur um 1,5 °K wärmer als im Durchschnitt der Jahre und im Süden zudem extrem niederschlagsreich. Fiel im Süden Deutschlands je nach Region die 1,2 bis 2,5-fache Regenmenge des Durchschnittswertes, erhielt der Norden und Nordwesten vielfach nur ein Viertel bis zur Hälfte des normalen Niederschlags. Von der zweiten Maidekade an wurde das Wetter deutlich unbeständiger und führte am 26. Mai infolge von Südfrankreich herangeführter schwülwarmer Luftmassen zu dem verheerenden Hagelsturm vom Bodensee bis nach Tschechien.
Schafskälte im Juni verursachte Verrieselungsschäden beim Wein
Danach wurde es vorübergehend kühler. Die Schafskälte im Juni führte beim Wein regional zu starker Verrieselung. Niederschlagsreich war der Juni vor allem in den westlichen Mittelgebirgslagen und in Südbayern mit mehr als 150 bis zu 300 mm Niederschlag im Voralpenraum, während der gesamte Norden und fränkische Raum erneut Niederschlagsdefizite aufwies. Schauer und Gewitter verzögerten im Juni vielerorts den Beginn der Ernte und führten immer wieder zu Unterbrechungen. Die Niederschläge und verhältnismäßig geringe Sonneneinstrahlung beeinträchtigten teils die Qualität des Getreides und führten vielfach zu niedrigeren Proteingehalten.
Im Juli Gewitter mit Hagelschlag im Süden und Norden
Im Juli gab es zahlreiche Unwetter in der Westhälfte und im Süden Deutschlands. Im Osten fiel dagegen vielfach nur ein Viertel bis zur Hälfte der normalen Niederschlagsmenge. Um mehr als 2°C wärmer als im langjährigen Mittel war es im norddeutschen Küstengebiet im Juli, wobei die höchste Temperaturabweichung der Nordosten Deutschlands aufwies. Ende Juli suchten schwere Hagelschäden unmittelbar vor dem Erntebeginn den Nordosten Deutschlands heim.
Trendwende ab August - trockener, sonnenreich und zu warm
Der August war mit einer deutlichen Abweichung von über zwei, im Westen und Südwesten teils über drei Grad ein ausgesprochen warmer Monat, im Raum Osnabrück wurden am 20. August fast 38 °C gemessen. Trotz Zunahme der Hochdruckwetterlagen kam es auch im August gegen Monatsende zu kräftigen Gewitterschauern in Süddeutschland - insbesondere im Voralpenraum.
September bot vielerorts optimale Bedingungen zur Herbstsaat
Der September zeigte sich dann von seiner Sonnenseite. Bei durchschnittlich 14,7 °C mittlerer Temperatur und fast 15 % mehr Sonnenschein als im langjährigen Mittel war der Monat wärmer und sonniger als im langjährigen Durchschnitt. Zudem fielen durchschnittlich nur 40,7 mm Niederschlag, ein Drittel weniger als im langjährigen Referenzzeitraum. Der September bot vielerorts optimale Bedingungen zur Herbstsaat.
Oktober kühl, regenreich und sonnenarm
Der Oktober war bei einer Mitteltemperatur von 8,2 ° C um 0,9 ° C kühler als im langjährigen Mittel. Die mittlere Niederschlagshöhe lag mit 76,9 m um fast 38 % über dem langjährigen Durchschnitt. Die Sonnenscheindauer war mit 85,4 Stunden um 21 % geringer als langjährigen im Mittel.
November extrem mild und niederschlagsreich
Der November war bei einer Mitteltemperatur von 7,4 °C (plus 3,3 ° C über dem langjährigen Mittel) extrem mild und niederschlagsreich. Die mittlere Niederschlagshöhe im November lag mit 91,4 mm um fast 38 % über dem langjährigen Durchschnitt.
Dezember begann mild und trübe
Der Dezember begann mild und trübe. Bis zur ersten Dekade blieb es überwiegend frostfrei und regnerisch. Danach wurde es kälter und schneereich. Die zweite Dezemberdekade begann mit klirrender Kälte bei Nachfrösten von bis zu -18 °C. Vor Weihnachten setzten sich wiederum mildere Temperaturen mit verbreitet Niederschlag durch.
Fazit
Wie im Vorjahr 2008 gab es eine Zweiteilung beim Wetter: Kühler, trockener und ausgeglichener war das Wetter im Norden und Osten, dagegen schwülwarm und regenreicher im Süden Deutschlands. Die Unwetterserien begannen wie im Vorjahr bereits Ende April und verstärkten sich bis Ende Mai. Nach der Erwärmung im April und Mai wurde das Wetter so wechselhaft, dass nahezu wöchentlich Hitze und schwere Unwetter abwechselten, die dann vielfach von sintflutartigen Regenfällen, orkanartigen Böen und von Hagelschlägen begleitet waren. Gemessen am Unwetterpotenzial, das das Jahr 2009 über Wochen hinweg bot, hätte es - abgesehen vom Hagelsturm vor Pfingsten - diesmal noch viel schlimmer kommen können. Für den Norden schon bald typisch sind die Hagelschäden in allerletzter Minute vor der Ernte. Unter wochenlangen extremen Niederschlägen litt diesmal besonders der Südosten Bayerns.
Hagelsturm vom 26. Mai
Der Hagelsturm vom 26. Mai über dem Bodensee und Südbayern zählt mit über 100 Mio. € Schaden zu den schwersten Unwetterereignissen in der Hagelversicherungs-branche überhaupt. Die Unwetter wurden durch extreme Hitze über dem westlichen Mittelmeer ausgelöst. Dabei wurde trockenheiße Luft aus der Sahara über dem westlichen Mittelmeer stark mit Feuchtigkeit angereichert. Das Tief „Felix" verlagerte sich dann von der Iberischen Insel bis zum Abend über den Westen bis zur Mitte Deutschlands. Im Zentrum des Tiefs wanderten die Gewitter bis zum Morgen des 26. Mai über Nordfrankreich, die Niederlande und Nordwestdeutschland nach Dänemark und verursachten dort extreme Starkregenfälle. Gleichzeitig griff die Kaltfront mit extremen Gewittern auf die West- und Nordschweiz über und erreichte am Spätnachmittag den Bodensee. Noch in der Schweiz formierten sich die Gewitter zu einem mesoskaligen konvektiven System (MCS), wobei sich zahlreiche Einzelgewitter (Multizellengewitter) bildeten und nachfolgend entluden.
Laut DWD in Freising lag die Gewitterfront gegen 16:30 h auf einer Linie Stuttgart - Bodensee, wobei die heftigsten Hagelstürme im Südteil der Gewitterlinie auftraten. Ab 17:00 h zog nur noch der südlicheTeil der Gewitterfront unter zunehmender Geschwindigkeit weiter nach Bayern. Gegen 18.30 h lag die Gewitterfront kurz vor München. Von 18:45 h bis 19:15 h tobten die Hagelstürme in der Hallertau. Bis 20:00 h erreichte die Gewitterlinie Niederbayern und verlagerte sich dann nach Westösterreich, Tschechien und Polen. Verbreitet kam es zu Starkregen, Hagel und Orkanböen. Dabei verzeichnete der Bodensee Windgeschwindigkeiten bis 156 km/h (Uhldingen-Mühlhofen), in Landsberg wurden bis zu 140 km/h. Kurzfristig gingen Niederschlagsmengen von 20 bis 60 mm nieder. Wie die Radarbilden des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen, gab es die stärksten Radarechos in einem Streifen von Oberschwaben/Bodenseeraum über das mittlere Schwaben und die Hallertau bis zum Bayerischen Wald. Bis zu 25 km Breite wütete die Hagelwalze über Baden-Württemberg nach Bayern und richtete zwischen Konstanz und Passau verheerende Schäden an Weinreben, Hopfen, Obst, Gemüse, Getreide, Raps und Mais an. Meist dauerte es keine zwanzig Minuten, bis alles zerstört war, berichteten Augenzeugen.
Die Tiefsttemperaturen vom 07. Januar 2009 (in 2 m Höhe)
-29,1°C - Oderwitz/Dorf
-27,7°C - Dippoldiswalde-Reinberg (Sachsen)
-27,5°C - Altenburg (Thüringen)
-27,5°C - Sohland/Spree (Sachsen)
-27,1°C - Rochlitz (Sachsen)
-26,5°C - Lippstadt-Boekenfoerde (NRW)
-26,5°C - Koethen (Sachsen-Anhalt)
-26,2°C - Oschatz (Sachsen)
-26,1°C - Baruth (Brandenburg)
Sturmtiefs 2009
Datum Bezeichnung Schwerpunkt in Deutschland
17.01. - 19.01. Orkantief FRANK Süddeutschland
19.01. - 20.01. Sturmtief GOTTFRIED Westdeutschland
22.01. - 23.01. Orkantief HANS Westdeutschland
23.01. - 24.01. Sturmtief JORIS Süddeutschland
09.02. - 11.02. Orkantief QUINTEN Süddeutschland
25.02. - 27.02. Sturmtief YANN Norddeutschland
08.03. - 10.03. Sturmtief CAESAR Süddeutschland
17.03. - 18.03. Sturmtief FRANJO I Norddeutschland
22.03. - 24.03. Sturmtief HERBERT Süddeutschland
27.03. - 29.03. Sturmtief JENS Mittel- u. Süddeutschland
03.05. . 04.05. Randtief XAVER Norddeutschland
05.05. - 07.05. Sturmtief ZORAN Nord- u. Ostdeutschland
07.05. - 09.05. Sturmtief ADHELD Nord- u. Süddeutschland
25.05. - 27.05. Sturmtief FELIX Nord- u. Süddeutschland
27.05. - 29.05. Sturmtief GRANT Norddeutschland
10.06. - 14.06. Sturmtief MARTIN Nord- u. Süddeutschland
02.09. - 06.09. Ex-Tropensturm DANNY Nord- u. Süddeutschland
30.09. - 02.10. Sturmtief RALF Norddeutschland
02.10. - 05.10. Sturmtief SÖREN Norddeutschland
07.10. - 08.10. Randtief UWE Ostdeutschland
13.10. - 16.10. Sturmtief WIMAR Ostdeutschland
15.10. - 17.10. Randtief XAVIER Norddeutschland
03.11. - 05.11. Sturmtief CASSEN II Süddeutschland
13.11. - 15.11. Sturmtief HANS Nord- u. Süddeutschland
18.11. - 19.11. Orkantief JÜRGEN Norddeutschland
22.11. - 24.11. Sturmtief LUDWIG West- u. Süddeutschland
24.11. - 27.11. Sturmtief MAX West- u. Ostdeutschland
28.11. - 29.11. Randtief NICO Westdeutschland
29.11. - 30.11. Sturmtief OHM Westdeutschland
Extreme Niederschläge am 03. Juli 2009
Niederschlag (12 h) Stadt/Bundesland
87,8 l/ m2 Friedrichsthal (Saarland)
73,0 l/ m2 Sigmaringen-Laiz (Baden-Württemberg)
69,0 l/ m2 Neunkirchen (Saarland)
65,3 l/ m2 Kierspe (Nordrhein-Westfalen)
61,0 l/ m2 Neubulach-Oberhaugstett (Baden-Württemberg)
Winterfrostschäden im Januar 2009 beim Wein
In Sachsen wird seit Herbst 2008 eine kombinierte Frost- und Hagelversicherung für Weinreben angeboten, wobei Sachsen als erstes Bundesland bis zu 50 % Zuschuss zu den Versicherungsbeiträgen leistet. Im Januar führten strenge Winterfröste zu beträchtlichem Schaden bei Weinreben, wobei die Rebsorten Elbling, Grauer Burgunder, Spätburgunder, Riesling, Müller-Thurgau und Dornfelder betroffen waren.
Dies erforderte gleich im ersten Jahr nach Einführung der Frostversicherung den vollen Einsatz der Sachverständigen. Die Schadenregulierung umfasste eine Vorbesichtigung kurz vor der Blüte des Weins, eine Zwischenbesichtigung zum Stadium Traubenschluss und eine Endbesichtigung zu Beginn der Reife bzw. zur Vollreife.
Im Sächsischen Elbegebiet Fröste bis -29 °C
Anfang Januar 2009 wurde unter Einfluss eines starken Hochs vor Grönland und einem kräftigen Tief über Nordostskandinavien und Russland extrem kalte Luft aus der Polarregion nach Deutschland herangeführt, die sich über zuvor frisch gefallenem Schnee noch weiter abkühlte. Am 6. und 7. Januar 2009 sanken die Temperaturen in der Mitte Deutschlands unter -15 bis -27 °C, während der Norden teils nur leichte und der Süden nur mäßige Fröste verzeichneten. Eisige Kälte herrschte besonders in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, mit Abstand am kältesten war es in Sachsen. Im Raum Dresden und im Sächsischen Elbetal wurden Lufttemperaturen (2 m Höhe) von -27 ° C, bodennah (5 cm Höhe) von -29,5 °C gemessen.
Verdorrte Bogenreben, Rebholzschäden und frostgeschädigte Junganlagen
Das östlich gelegene Weingebiet im Sächsischen Elbetal erlitt auf einem Drittel der Rebfläche massivste Frostschäden. Durch starke Winterfröste kam es zu schweren Schäden bis zum Totalverlust des Rebholzes, so dass teils kein Neuaustrieb mehr erfolgte. Dabei erfroren die bereits im Vorjahr angelegten Haupt- und Nebenaugen der zweijährigen Triebe, wodurch die Traubenbildung ausbleibt. Totalschäden bei Rebholz zeigten verdorrte Bogenreben. Starke Verletzungen des Rebholzes bewirkten später teils einen Austrieb von der Unterlage. Vielfach zeigte das Rebholz Furchen und Riefen im Rindenbereich. Besonders Junganlagen im dritten Standjahr kamen wegen des noch dünnen Stämmchens zu Schaden.

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