Witterungsverlauf nach Hagelschlag
Nach dem Hagelschlag kann warmfeuchte, wüchsige Witterung den Regenerationsprozess bei den betroffenen Pflanzen wesentlich fördern. Dagegen vermag anhaltende Trockenheit oder Kälte den entstandenen Schaden durch Schwächung der Pflanzen noch erheblich zu verstärken. Diese Tatsache bedingt die Notwendigkeit, dass die endgültigen Schadenquoten erst kurz vor der Ernte festgelegt werden können, wobei die Vorbesichtigungen bereits gute Anhaltspunkte ergeben.
Einfluss der Morphologie, Physiologie und Disposition betroffener Pflanzen auf das Ausmaß von Hagelschäden
Die Empfindlichkeit von Pflanzen gegenüber Hagelschlag hängt von der Morphologie, dem Entwicklungsstadium, dem Regenerationsvermögen und dem Gesundheitszustand der Pflanze ab.
Anfälligkeit der verschiedenen Pflanzenarten für Hagelschläge
Bei den einzelnen Pflanzenarten bestehen wesentliche Unterschiede in ihrer Hagelempfindlichkeit. Schon wenn man sich die äußere Morphologie der Pflanze vorstellt, wird klar, dass etwa Roggen im Allgemeinen wesentlich weniger hagelempfindlich ist als beispielsweise die großlaubige Tabakpflanze oder auch die Weinrebe mit ihren empfindlichen Blättern, Gescheinen und Trauben. Die spezifische Anfälligkeit der einzelnen Pflanzenarten (Pflanzenempfindlichkeit) bedingt ein unterschiedliches Hagelschadenrisiko. Dieses lässt sich durch langfristige statistische Erhebungen ermitteln und wird bei Einstufung der Fruchtarten in die betreffenden Gefahrenklassen berücksichtigt.
Die Anfälligkeit für Hagelschläge kann darüber hinaus auch bei einzelnen Sorten unterschiedlich hoch sein, etwa bei kurzährigen bzw. langährigen Getreidesorten.
Gesundheitszustand der Pflanze
Erfahrungsgemäß leidet ein gesunder, gut gepflegter Pflanzenbestand unter leichteren bis mittleren Hagelschlägen weniger als ein kümmernder Bestand. Der Gesundheitszustand der Pflanze hängt von vielen Faktoren, wie von der Vorfrucht, der Güte des Bodens (z.B. Wassernachlieferungsvermögen), der Düngung, der Qualität des Saatgutes, dem Zeitpunkt der Aussaat, der Beizung und der Pflege während des Wachstums ab. Sie alle sind bei der Beurteilung eines Hagelschadens in Betracht zu ziehen.
Pflanzenkrankheiten, Schädlinge und Unkräuter
Bei allen Kulturpflanzen können Pflanzenkrankheiten, Schädlinge und Unkräuter den Gesundheitszustand und damit auch das Wachstum und die Höhe der Erträge wesentlich beeinflussen. Entsprechendes gilt für den Einfluss der zu ihrer Bekämpfung eingesetzten Verfahren.
Testpflanzen zur Beurteilung des Hagelschlages
Ist die Entwicklung der Kulturpflanze, etwa bei Getreide in der Gelbreife, bereits so weit fortgeschritten, dass kein Blattgrün (Chlorophyll) an Halmen und Blattspreiten mehr vorhanden ist, so ruft der Hagelschlag oft keine deutlichen Anschläge mehr hervor. In solchen Fällen sowie auch in Sondersituationen, etwa bei der Beurteilung von Jungpflanzen, können zum Nachweis des Hagels zusätzlich die deutlich besser erkennbaren Hagelanschläge an anderen in der Nähe wachsenden Pflanzen, Sträuchern oder Bäumen als „Testpflanzen“ herangezogen werden.
Grundsätzlich eignen sich alle frischgrünen Pflanzen als Testpflanzen für Hagelanschläge. Besonders häufig bieten sich dazu Unkräuter, wie beispielsweise Ackerdistel, Hederich, Melde, Sauerampfer und andere krautige, breitblättrige Wildpflanzen an. Aber auch Kulturpflanzen auf eng benachbarten, noch im vollen Wachstum begriffenen Rüben-, Kartoffel- oder Sonnenblumenfeldern sowie Beerensträucher oder Obstbäume am Feldrand sind als Testpflanzen brauchbar. Bei der Beurteilung von nicht ganz eindeutigen Hagelschäden können Vergleichssymptome an anderen Kultur- oder Wildpflanzen ebenfalls von großer Bedeutung sein. Unter den Testpflanzen gibt es besonders empfindliche und sehr hageltolerante Arten, so dass man mit Recht von einer „Testpflanzenskala“ sprechen kann.




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