Schwere Frostschäden im Weinbau

21.04.2017 Daniel Rittershaus

Der Frost in den Nächten von Mittwoch auf Donnerstag und von Donnerstag auf Freitag hat in den Weinbergen in Baden-Württemberg teils erhebliche Schäden angerichtet. Wie hoch diese sind, lässt sich noch nicht genau beziffern, jedoch gibt es Rebanlagen, in denen bis zu 80 Prozent der jungen Triebe erfroren sind.

Bezirksdirektor Ulrich Eppler und Heidrun Hohl bei der Besichtigung der Frostschäden

Frostschaden im Weinbau (Obersulm)

Schön, aber verlustreich: schneebedecktes Erdbeerfeld in Baden-Württemberg

Die ersten größeren Schäden gab es durch den Frost in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Die Temperaturen lagen dabei in den meisten Gemeinden zwischen minus ein und minus drei Grad. „Wie viele Triebe erfroren sind, hängt  von der Lage des Rebgrundstücks ab und davon, ob die kalte Luft dort stehen geblieben ist oder abfließen konnte“, sagte Ulrich Eppler, Bezirksdirektor der Vereinigten Hagel bei der Besichtigung der Schäden auf dem Betrieb der Familie Hohl in Obersulm-Willsbach. Anstelle der erfrorenen Triebe werden bald die sogenannten Beiaugen austreiben. Da an diesen jedoch später weniger oder gar keine Trauben gebildet werden, wird es auf jeden Fall bei der Erntemenge Einbußen geben. Wie hoch diese sein werden, kann der Experte zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen: „Dies hängt auch von der Witterung im weiteren Verlauf des Jahres ab.“

Hubschrauber und Feuer

Angesichts größerer Verluste bei der Weinlese im vergangenen Jahr hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium am Donnerstag auch Hubschrauber zum Schutz junger Reben vor Frost eingesetzt. Wie Agrarminister Peter Hauk (CDU) in Obersulm sagte, sollen so kalte und warme Luft ausgetauscht werden. Sogenannte Inversionswetterlagen, bei denen die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren, können im Weinbau erhebliche Frostschäden verursachen. „Wir können die Temperatur um bis zu vier Grad erhöhen“, sagte Hauk. Die zweistündigen Flüge in 15 Metern Höhe seien aber nur bei leichtem Bodenfrost sinnvoll.  Außer den kostspieligen Hubschraubereinsätzen gibt es noch eine weitere Methode, um die Knospen der Weinreben gegen Frost zu schützen.  So zünden Winzer zum Teil in mehreren Nächten Feuer in den Weinbergen an. Der Rauch, der durch die Weinberge zieht, kann die Temperatur über dem Boden um ein bis zwei Grad steigen lassen. Diese können entscheidend sein, wenn die Knospe schon aufgegangen ist.

Ein sicherer Schutz gegen die finanziellen Verluste durch Frost ist auf jeden Fall die Frost-Versicherung, die einspringt, wenn trotz der Gegenmaßnahmen Ertragsschäden auftreten. Da ist sich Eppler mit Heidrun Hohl und ihrem Ehemann, dem württembergischen Weinbaupräsidenten Hermann Hohl, aus Obersulm einig.