Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter – erneut 35.000 ha geschädigt

01.08.2017 Daniel Rittershaus

Dieser aus dem Fußballjargon abgewandelte Spruch hat sich in diesen Tagen leider wieder bewahrheitet. Kaum ist ein Unwetter abgezogen und für kurze Zeit der „richtige“ Sommer zurückgekehrt, steht das nächste Gewitter bereits vor der Türe. Und das nicht nur in bestimmten Regionen, sondern deutschlandweit.

Mais wurde großflächig abgebrochen und umgeknickt.

Die Sachverständigen regulieren die Schäden zügig, um die Erntearbeiten nicht zu verzögern

So waren es am Sonntag Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Bayern, die durch die Unwetter schwer geschädigt wurden.

Rund 22.000 Hektar Ackerflächen wurden am 30. Juli auf einer Linie von Waren an der Müritz über Rosenow, Altentreptow, Anklam und Usedom bis an die polnische Grenze getroffen. Auch auf der Insel Rügen wurden einzelne Betriebe durch die Ausläufer des Unwetters in Mitleidenschaft gezogen. Sieht es bei den Schäden im Weizen noch vergleichsweise moderat aus, kann Bezirksdirektor Dr. Derk Westphal in den anderen Kulturen von schweren Schäden berichten: „Im Mais haben wir vielfach ganze Pflanzen, die abgebrochen sind. Viel schlimmer sieht es aber im Raps aus. Hier haben wir bisher Schadenquoten von 50 % bis hin zu Totalschäden verzeichnen müssen. Gerade jetzt unmittelbar vor der Ernte ist der Raps besonders anfällig, auch schon bei geringen Hagelanschlägen kommt es zu Schäden.“ 20 Sachverständigenkommissionen sind im Nordosten bereits im Einsatz, um die Flächen zu begutachten. „Das Wetter ist mittlerweile wieder so, dass die Druscharbeiten weiter gehen. Wir versuchen, die Schäden so zügig zu regulieren, dass die Mähdrescher fahren können,“ berichtet Dr. Westphal weiter. Er rechnet allein für seine Bezirksdirektion mit einem Schadenvolumen von rund 10 Millionen Euro.

Weitere 14.000 Hektar Ackerfläche wurden am Wochenende auf einem Streifen nördlich der Schwäbischen Alb von Balingen über Münsingen und Langenau im Kreis Ulm bis zur Fränkischen Alb, das Altmühltal und Straubing in Niederbayern verwüstet. Neben den Ackerbaukulturen war auch das Weinbaugebiet Ortenau betroffen. Etwa 200 Hektar Reben rund um Oberkirch, Durbach und Kappelrodeck fielen dem Hagel zum Opfer. Was vom Frost im Frühjahr verschont geblieben war, wurde nun vom Hagel vernichtet.

Wie das Büro der Bezirksdirektion in Stuttgart mitteilt, gehen nahezu minütlich weitere Schadenmeldungen ein. Auch in der vergangenen Nacht haben haben wieder- wenn auch nicht so gravierende – Unwetter über den Anbaugebieten getobt. Der Wetterbericht für Süddeutschland, aber auch für die Mitte Deutschlands prognostiziert nach Hitze auch für den heutigen Tag und den weiteren Verlauf der Woche wieder schwere Unwetter…

… womit sich die abgewandelte „Fußballweisheit“ wiederum bestätigt: Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter.