Weltmärkte für Getreide und Ölsaaten – erster Ausblick auf 2018/19

20.04.2018 Dr. Klaus-Dieter Schumacher – AgriConsult, Seevetal

Nachdem das Frühjahr nun endlich auch in unseren Breiten Einzug gehalten hat, lenken die Marktbeobachter ihren Blick mehr und mehr auf die Wachstums- und Witterungsbedingungen für die Ernte 2018. Wie sieht es aktuell – Mitte April 2018 – in den wichtigsten Anbauregionen der Welt aus?

Trotz der weiterhin niedrigen Preise bleibt die Intensität der Bewirtschaftung hoch: der Trend zu neuen, leistungsfähigeren Sorten ist ungebrochen, der Aufwand an Dünger und Pflanzenschutz bleibt mehr oder weniger unverändert.

Die Aussaatflächen für Winterweizen sind nur mini mal eingeschränkt worden. Der Internationale Weizenrat geht von einem Rückgang von lediglich 1 % aus. Während die Landwirte in den USA und Kanada mehr Weizen ausgesät haben, kam es zu leichten Einschränkungen in der EU und der Schwarzmeer-Region. Deutschlands Norden konnte bekanntermaßen aufgrund der stark übernässten Böden ca. 30 % der geplanten Winterweizenflächen nicht bestellen. Auf den globalen Markt wird dies aber wenig Einfluss haben.

Die Aussaatflächen für Wintergerste wurden im Gegenzug um ca. 2 % ausgeweitet.

Auswinterungsschäden dürften weitgehend im normalen Maß aufgetreten sein. Lediglich in Teilen des Baltikums, im nördlichen Polen und in der russischen Provinz Königsberg hat die März-Kälte ohne ausreichende Schneedecke zu höheren Schäden geführt.

In den USA ist es in weiten Teilen der Winterweizenanbauregionen bisher zu trocken gewesen. Unterdurchschnittliche Erträge sind in dieser Region relativ wahrscheinlich.

Sehr viel stärker dürfte sich der späte Beginn dieses Frühjahrs auf die Erträge auswirken. Nicht nur bei uns, sondern auch in Russland und der Ukraine wird die Vegetationsperiode damit voraussichtlich um einige Tage kürzer ausfallen als dies in den beiden letzten Jahren der Fall war.

Überrascht hat die Marktbeobachter die Ende März vom US-Landwirtschaftsministerium vorgelegte Anbauflächenschätzung für Mais und Sojabohnen. Im Gegensatz zu den Erwartungen, geht das Ministerium von im Vergleich zum Vorjahr kleineren Anbauflächen aus, erwartet worden war eine Ausdehnung. Dies hat, allerdings nur kurzfristig, zu einem deutlichen Anstieg der Notierungen an der Warenterminbörse in Chicago als auch der Weltmarktpreise geführt.

Unterstützend kam hinzu, dass Trockenheit in Argentinien zu einer wesentlich kleineren Ernte an Sojabohnen führen wird. Die Ernte, die gegenwärtig in vollem Gange ist, wird ca. 30 % unter dem Vorjahr bleiben.

Zusammenfassend lässt sich die Situation an den Getreide- und Ölsaatenmärkten wie folgt beurteilen:

Das späte Frühjahr spricht für Erträge unterhalb der sehr guten Ergebnisse der beiden Vorjahre.

Allerdings wird sich das Gesamtangebot aufgrund der hohen Bestände deshalb nicht wesentlich verkleinern.

Falls der Mai und der Juli aber sehr trocken und heiß werden, könnte sich das Bild drehen und stärkere Ertragsverluste nach sich ziehen – mit entsprechenden Auswirkungen auf das Preisniveau.

Kurzfristig werden die Preise weiter stark schwanken, vor allem bedingt durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China, die zu erheblichen Marktverwerfungen insbesondere bei Sojabohnen führen könnten.

Letztlich bleibt die Wetterentwicklung entscheidend, aber wahrscheinlich erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt, dass die Preise ihren Boden erreicht haben und das Wirtschaftsjahr 2018/19 eher leicht höhere Preise bringen wird.