Die stv. Vorsitzende des Agrarausschusses zum Thema Mehrgefahren- und Dürreversicherung

23.08.2018 admin

Die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses, Carina Conrad MdB, hat sich jüngst über die Möglichkeiten der Mehrgefahren- und Dürreversicherung bei der Vereinigten Hagel in Luxemburg informiert. Hier ein Auszug aus ihren Eindrücken:

Carina Konrad MdB und Thomas Gehrke (Vorstandsmitglied der Vereinigten Hagelversicherung)

„Die Sommerpause neigt sich dem Ende zu. Die Dürre war in den letzten Wochen das Thema Nummer 1. Die Not der Landwirteunsere Abhängigkeit stand im Zentrum des Bewusstseins. Denn trotz all unserer Errungenschaften sind wir abhängig: von den 30 cm oberer Muttererde und von Regen. Für die meisten Verbraucher ist die lang anhaltende Dürre nach wenigen Regentropfen wieder vergessen, untergegangen im Alltagsstress. Doch die Betroffenen werden die Folgen noch lange spüren: Sie bangen angesichts der ausgebliebenen Ernte um ihre Existenz, wissen nicht, wie sie ihre Tiere im Winter satt bekommen sollen. Für sie ist guter Rat teuer.

„Mehrgefahrenversicherungen für die Landwirtschaft sind unbezahlbar.“ Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn meine Überlegungen zur Risikovorsorge in Richtung Versicherungslösungen schweifen. Ist das wirklich so?  Wie eine vernünftige Versicherungslösung aussehen kann, darüber habe ich mich in Luxemburg informiert. Hier ist der Großteil der Bauern gegen Extremwetterlagen wie Hagel, Sturm, Auswinterung, Überschwemmung, Starkregen und Trockenheit versichert, wobei der Staat einen hohen Zuschuss zu den Versicherungen beisteuert. Die Dürreversicherung in Luxemburg ist mit 4 % besteuert (in Deutschland mit 19 %). Auch Grünland kann hier gegen Ernteausfälle versichert werden. Im Gespräch mit Vertretern der Vereinigten Hagel wurde deutlich, dass dieses luxemburgische Modell zwar nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar ist, aber dass es vorstellbare Lösungen gäbe. Auch in den Niederlanden gebe es eine Mehrgefahrenversicherung für Landwirte, die ebenfalls die Trockenheit als Risiko beinhaltet.

Die Erfahrung der Versicherer zeigt, dass Landwirte etwas Zeit brauchen, um solche Angebote anzunehmen. Auch Frank, ein luxemburgischer Landwirt, dessen Maisflächen in diesem Jahr zum Teil starke Trockenschäden haben, hat etwas gebraucht, bis er alle Gefahren versicherte. Frank berichtete mir, dass er seit vier Jahren gegen Mehrgefahren versichert sei, davon waren drei Jahre Schadenjahre. Der Mais von Frank, den die Schätzer in dieser Woche begutachtet haben, hat sehr unterschiedliche Trockenschäden. Insgesamt haben die Schätzer bei Franks Mais einen Schaden von mehr als 10.000 € festgestellt. Das Geld ist in 14 Tagen auf seinem Konto. Davon plant er dann, Mais für seine Milchkühe zuzukaufen, aus dem benachbarten Deutschland oder dem nahen Elsass.“