Oft gestellte Fragen zum Thema Trockenheit und Versicherung

16.08.2018 Daniel Rittershaus

Das Thema Trockenheit ist zurzeit und zu Recht in aller Munde und wirft viele Fragen auf. An dieser Stelle haben wir die häufigsten Fragen zusammengestellt und beantwortet.

 

1. Wie hoch wird der Schaden sein, die der deutschen Landwirtschaft durch die aktuelle Trockenheit entstanden sind und noch entstehen dürften?
Wir rechnen derzeit mit einem Schaden von mindestens 2,5  Milliarden Euro. Die endgültige Höhe lässt sich natürlich erst nach Abschluss der Ernte aller Kulturen, insbesondere von Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben beziffern. Für Getreide und Raps rechnet der Deutsche Bauernverband mit einem Verlust von rund einem Viertel der Erntemenge. Die Schäden sind dabei regional keineswegs gleich verteilt. Besonders getroffen hat es den Norden und Osten Deutschlands. Auch die Wahl der Sorte und der Aussaatzeitpunkt haben offenbar einen Einfluss auf die Höhe der Ertragsverluste. Im Rheinland beispielsweise gibt es Maisbestände, die die Dreimetermarke bereits überschritten haben und in der Nachbarschaft gibt es Felder, über die man problemlos hinwegsehen kann.

 

2. Wie viel der Schadenshöhe ist denn durch entsprechende Versicherungen abgedeckt?
Deutschlandweit sind nur rund 5.000 Hektar gegen Trockenheit versichert; dies entspricht weniger als 0,1 % der versicherten Fläche insgesamt. Eine Hauptregion, in der die meisten Flächen gegen Dürre aktuell versichert sind, kann man dabei nicht ausmachen.

 

3. Warum ist so wenig abgesichert?
Da eine Dürre in der Regel ganze Landstriche heimsucht, während Gefahren wie Hagel regional, manchmal auch nur lokal vorkommen, liegt der Prämiensatz bei einer schadenbasierten Dürreversicherung (d. h. Feststellung des Ernteverlustes auf dem konkreten Feldstück wie z. B. bei der Hagelversicherung) wegen des hohen Kumulrisikos so hoch, dass die Landwirte eine derartige Versicherung wirtschaftlich allein nicht aufbringen könnten.

 

Gegen Dürre werden in Deutschland daher zurzeit nur so genannte Indexversicherungen angeboten. Bei der Vereinigten Hagel wird die sog. Nutzbare Feldkapazität als Parameter zugrunde gelegt. Dieser Wert wird vom Deutschen Wetterdienst (DWD) veröffentlicht. Sobald ein vorher fest gelegter Grenzwert unterschritten ist, kommt es zu einer Auszahlung. Die Höhe der Entschädigungsleistung richtet sich nach der Vertragsgestaltung (hohes/niedriges Risiko, das beim Landwirt verbleibt) und dem tatsächlichen Landkreisertrag im Vergleich zu einem vertraglich vereinbarten Schwellenwert. Wie bei allen Indexversicherungen verbleibt ein Basisrisiko beim Landwirt, d.h. der – wie auch immer gewählte – (Wetter-) Indexparameter springt nicht an, der versicherte Landwirt hat aber dennoch einen individuellen Ertragsverlust zu beklagen. Dies ist ein Grund, warum aktuell in Deutschland lediglich rd. 5.000 ha gegen Dürre als „Wette auf das Wetter“ versichert sind.

 

4. Denken Sie, dass sich an der Preiswürdigkeit solcher Versicherungen etwas ändern würde, wenn Versicherungslösungen, wie immer mal diskutiert, im Rahmen einer Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik direkt von staatlicher oder europäischer Seite unterstützt werden?Versicherungstechnisch wäre es aus Sicht der Vereinigten Hagel durchaus möglich, auch in Deutschland eine schadenbasierte Dürreversicherung anzubieten. Im europäischen Ausland (z. B. Niederlande, Luxemburg) bieten wir derartige Lösungen bereits an. Dort werden die Ertragsverluste auf dem Feld u. A. durch Bewertung der vertrockneten Pflanzenteile, Größe der Kolben oder Gewicht der Körner festgestellt. In den Niederlanden sind bereits mehr als ein Viertel, in Luxemburg fast jeder zweite Hektar der versicherten Fläche auch gegen Dürreschäden abgesichert. Die Nachfrage ist entsprechend groß, da dort eine Risikozulage zur Versicherungsprämie aus nationalen und/oder EU-Mitteln in Höhe von 50 – 70 % gewährt wird. Eine Versicherungsteuer in Höhe von 19 % auf die Versicherungsprämie für Dürre macht darüber hinaus die Risikoabsicherung in Deutschland absolut uninteressant. In fast allen Ländern der EU beträgt diese – zusätzlich zur staatlichen Unterstützung zur Risikovorsorge – 0 Prozent.

 

5. Als Argument  gegen eine staatlich gestützte Versicherungslösung wird immer angeführt, dass dies in den USA so praktiziert wird, aber unter dem Strich mehr für die Versicherer denn die Bauern rausspringen würde?
Eine polemische Aussage, die man immer wieder hört, auch aus der Wissenschaft. Die versicherungstechnischen Ergebnisse der MPCI in den USA, aber auch in Frankreich oder in den EU-Ländern, in denen wir tätig sind, widerlegen dies eindrucksvoll. Nehmen Sie zum Beispiel die Niederlande. Wer hätte jemals erwartet, dass es bei unserem Nachbarn flächendeckend extreme Dürreschäden gibt? Dennoch hat man vorausschauend auch eine Versicherung gegen Dürre mit staatlicher Unterstützung etabliert. Wir sehen es jetzt. Nach guten Schadenjahren wird es in 2018 ein deutliches Überschadenjahr geben.

 

Im übrigen ist eine Versicherung mehr als die einfache Frage: Was zahle ich ein, was bekomme ich heraus? Es geht unter anderem um die Absicherung der Liquidität im Schadenfall und damit letztlich um die Existenz des eigenen Betriebes. Erlauben Sie mir noch den Hinweis, dass die Vereinigte Hagel ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ist, also im Eigentum der Landwirte und  somit keine Renditeerwartungen von Aktionären erfüllen muss wie das bei anderen Gesellschaften der Fall ist. Unsere Gremien achten sehr genau darauf, dass wir verantwortungsvoll mit den Bauerngeldern umgehen. Eine im Markt-Vergleich extrem niedrige Kostenquote von 15,3 Prozent ist ein Beleg dafür.

 

6. Und ganz generell: Wenn man davon ausgeht, dass Extrem-Witterungen künftig häufiger auftreten, wird es dann nicht sogar unattraktiver für die Versicherungswirtschaft entsprechende Policen anzubieten?
Als Spezialversicherer beobachten wir das Wetter und die langjährige Wetterstatistik (also das Klima) natürlich genau. Dass mehrere schwere Schadenjahre aufeinander folgen, hat es in den letzten 200 Jahren auch schon gegeben. Die Zunahme der Wetterextreme hat in den letzten Jahren bei Sturm, Starkregen und Frost, aber auch bei Dürre deutlich zugenommen. Aktuell geraten die Bilder der Frostschäden bei Sonderkulturen aus dem letzten Frühjahr oder die Sturmschäden bei Mais im Herbst 2017 schnell wieder in Vergessenheit. All diese Schadereignisse fliessen natürlich in die Tarifierung der Risikoprämien ein. Auf Gemeindeebene erfolgt die Kalkulation, so dass die Prämie genau dem regionalen Risiko entspricht.

 

Durch unsere Tätigkeit in mittlerweile zehn europäischen Ländern können wir das Risiko zudem auch in der Fläche gut verteilen. Außerdem gehört ein solider Schutz über Rückversicherer zu unserer Risikostrategie. Dennoch werden wir langfristig aber auch in Deutschland nur einen für den Landwirt finanziell tragbaren Versicherungsschutz anbieten können, wenn die politischen Rahmenbedingungen zum Risikomanagement vergleichbar sind mit fast allen EU-Ländern, oder den USA, Kanada, China, Indien, Australien oder auch Russland. In all diesen Ländern beteiligt sich der Staat an der Risikovorsorge der Landwirte, in dem er eine Zulage zur Versicherungsprämie gewährt. Anderenfalls werden die Wettbewerbsnachteile unserer heimischen Bauern auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung der GAP nach 2020 weiter zunehmen.

 

 

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