Trockenheit macht erneut Probleme

26.04.2019

Nach der verheerenden Trockenheit im vergangenen Jahr treten aufgrund des aktuellen Regenmangels in manchen Regionen Deutschlands erneut erste Probleme auf.

Bestimmt erinnern Sie sich noch an das vergangene Jahr, das verbreitet von einer extremen Trockenheit und im Sommer zudem von einer wochenlangen warmen bis heißen Witterungsperiode geprägt war. Landwirte und Förster hatten damals die Hoffnung, dass ein Teil des beträchtlichen Niederschlagsdefizits im darauf folgenden Winter wieder ausgeglichen wird und dass auch im anschließenden Frühjahr und Sommer ausreichend Regen fällt, damit sich die Natur von der teils drastischen Dürresituation in 2018 wieder erholen kann. Genau danach sieht es aktuell aber nicht aus!

Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern sowie von Oberfranken bis nach Niederbayern hat es in diesem April kaum geregnet (siehe Abbildung 1). Niederschlagsmengen unter 1 mm sind dort keine Seltenheit und vereinzelt kam bisher sogar kein einziger Tropfen vom Himmel. Auch in der Westhälfte Deutschlands fällt die bisherige Regenbilanz im April vielerorts unterdurchschnittlich aus, es regnete aber immerhin etwas mehr als im Osten.

Ein Drittel des Jahres 2019 ist schon fast vorüber, da lohnt sich schon ein erster Blick auf die bisher gefallenen Regenmengen in Deutschland. Insgesamt sieht der seit Jahresbeginn gemessene Niederschlag gebietsweise alarmierend aus. Vor allem im Thüringer Becken, dem südlichen Niedersachsen und vom östlichen Vorpommern bis zur Prignitz zeigen die mithilfe von Radardaten abgeleiteten und durch Messstationen angeeichten Niederschlagsmengen größere Flächen, in denen lediglich 50 bis 100 mm niedergegangen sind (siehe Abbildung 2). Passend dazu registrierte die derzeit niederschlagsärmste Wetterstation in Erfurt-Bindersleben gerade einmal 58 mm (vieljähriges Mittel: 130 mm bis zum 23.4.). Gerade diese Regionen waren bereits im letzten Jahr besonders von der Dürre betroffen. Aber auch in Teilen von Mittel- und Unterfranken blieb es in diesem Jahr ähnlich trocken. In West-, Nordwest- und Süddeutschland sowie in den Mittelgebirgen regnete bzw. schneite es hingegen etwas mehr, sodass im Deutschlandmittel mit 194 mm immerhin 86% des normalerweise in diesem Zeitraum üblichen Niederschlags gemessen wurde.

Dazu kommt in diesem Jahr noch erschwerend hinzu, dass die Natur im Gegensatz zu 2018 noch mit den Auswirkungen der letztjährigen Trockenheit zu kämpfen hat. Im deutschlandweiten Durchschnitt gab es in den Wintermonaten nur etwa 30 mm mehr Niederschlag als im vieljährigen Mittel, sodass das beträchtliche Niederschlagsdefizit aus dem letzten Jahr bei Weitem nicht ausgeglichen werden konnte (siehe auch Link zur aktuellen DWD-Pressemitteilung am Ende des Textes). Vor allem von Schleswig-Holstein über die Altmark (Norden von Sachsen-Anhalt) bis in den Norden von Brandenburg (Prignitz bis Oderbruch) sowie am Oberrhein und in Teilen von Hessen und Nordthüringen wurde das „Wintersoll“ noch nicht einmal erreicht. Somit konnten die Wasserspeicher in den Böden nicht ausreichend gefüllt werden, sodass die Wasserreserven in den Böden deutlich geringer ausfallen als zur selben Zeit in 2018.

Gerade jetzt im Frühling, wenn das Wachstum der Vegetation sehr aktiv ist, wirkt sich eine Trockenphase besonders stark aus. Landwirte berichten bereits vermehrt von Stress-Symptomen bei Kulturpflanzen. Beispielsweise rollt das austreibende Getreide schon seine Blätter ein. Den Pflanzen fehlt genügend Wasser aus den Böden und gleichzeitig verliert die Vegetation bei den derzeitigen hohen Temperaturen, der starken Sonneneinstrahlung und geringen Luftfeuchtigkeit viel Wasser durch Verdunstung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass schon jetzt im Frühjahr in immer mehr Regionen eine negative Wasserbilanz vorliegt (siehe Link am Ende des Textes), die die Differenz aus der Niederschlagssumme und der Summe der potentiellen Verdunstung über Gras beschreibt (Details: siehe DWD-Wetterlexikon-Einträge zu (potentieller) Evaporation und Wasserbilanz).

In den Wäldern hat schon die Trockenheit des letzten Jahres teilweise ihre Spuren hinterlassen. Vielleicht sind Ihnen beim Spaziergang durch die heimischen Wälder vermehrt abgestorbene Nadel- und Laubbäume aufgefallen? Auch der Borkenkäfer, der sich bei der trocken-heißen Witterung im letzten Jahr besonders wohl gefühlt hat, leistete an manchen Bäumen ganze Arbeit, sodass wohl nur noch ein Fällen der Bäume Abhilfe schaffen kann.

Die aktuelle Trockenheit sorgt zudem vor allem im Osten und Süden für eine hohe, gebietsweise sogar für eine sehr hohe Waldbrandgefahr (Stufe 4 bis 5, siehe Abbildung 3). Fast landesweit kam es deshalb in den letzten Tagen bereits zu kleineren Wald-, Moor- oder Flächenbränden. Viele Gemeinden sagten sicherheitshalber ihre traditionellen Osterfeuer ab und am gestrigen Dienstag kam es im Nordosten sogar zu Staubstürmen mit teils massiven Auswirkungen auf den Straßenverkehr.

In den kommenden Tagen kann man zum Glück vielerorts auf Regen hoffen. Vor allem im Westen und Südwesten können durch schauerartig verstärkte Niederschläge bis zum Montag Regenmengen zwischen 10 und 40 mm zusammenkommen und auch im von der Trockenheit geplagten Osten fällt etwas Regen (siehe Abbildung 4). Dort ist dieser aber mancherorts wieder nur der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.04.2019

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