Anhaltende Unsicherheit auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten

15.04.2020 Dr. Klaus-Dieter Schumacher – AgriConsult, Seevetal

Die Corona-Epidemie bestimmt unverändert das Geschehen auf den Agrarmärkten. Die nachlassende internationale Nachfrage und die bisher ausgebliebene nachhaltige Erholung der Erdölpreise drücken weiterhin auf die Preise für Getreide und Ölsaaten. Mit starken Rückgängen im Verbrauch wird insbesondere bei Mais gerechnet, da vor allem in den USA deutlich weniger Mais zu Ethanol verarbeitet wird

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat in seiner jüngsten Schätzung vom 9. April hierauf reagiert und den US-Maisbedarf für die Ethanolherstellung um über 5 Mio. t reduziert und im Gegenzug die Bestände zum Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 kräftig angehoben. Da in den nächsten Wochen zusätzlich mit einem Sinken der Nachfrage nach Futtergetreide zu rechnen ist, muss davon ausgegangen werden, dass die Bestände in den USA noch größer als bisher prognostiziert sein werden. Entsprechend hoch bleibt der Preisdruck bei Mais.

Etwas anders sieht es bei Sojabohnen aus. Sowohl in Brasilien als auch in Argentinien hat Trockenheit zu Ertragsverlusten geführt, so dass der massive Produktionsausfall in den USA nur noch weniger stark durch diese beiden Länder ausgeglichen wird. Insgesamt wird die weltweite Produktion von Sojabohnen 2019/20 um rund 20 Mio. t niedriger als im Vorjahr ausfallen. Deutlich geringer als in den letzten Jahren wird der Zuwachs im Verbrauch sein, so dass der erwartete Rückgang der Bestände zum Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 weniger stark ausfällt als bisher vermutet. Unverändert unter den Erwartungen liegen zudem die Sojaexporte der USA, so dass auch die Notierungen an der Warenterminbörse in Chicago weiter unter Druck stehen.

Weizen hat dagegen bisher von einer anhaltend hohen Nachfrage profitiert. Vor allem in den von der Corona-Epidemie betroffenen Ländern haben die Verbraucher große Mengen an Mehl und anderen Getreideprodukten auf Vorrat gekauft. Dieser Nachfrageschub führte zu zusätzlichem Bedarf seitens der Mühlen und zu anhaltend festen Preisen für Weizen. Mittlerweile zeichnet sich aber auch auf diesem Markt eine Trendumkehr ab. So geht das USDA davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Weizen in 2019/20 um ca. 5 Mio. t kleiner als bisher angenommen ausfallen könnte. Deshalb gehen einige Marktanalysten davon aus, dass auch die Weizenpreise wieder unter Druck geraten.

Anders als in anderen Branchen, ist es im Getreide- und Ölsaatenhandel bisher nicht zu größeren Unterbrechungen in der Logistik und der gesamten Lieferkette gekommen. Hier und da sind Verzögerungen bei der Ausstellung der notwendigen Dokumente aufgetreten, die aber kaum zu nennenswerten Verzögerungen geführt haben. Auch die von Russland verhängten Exportquoten haben bisher nur eine geringe Wirkung gezeigt, da die Quoten in etwa den Exportmengen entsprechen, die die Marktteilnehmer ohnehin bis zum Ende des Wirtschaftsjahres erwartet haben. Größere Auswirkungen dürfte dagegen der am Karfreitag in Rumänien verhängte Exportstopp für Getreide und Ölsaaten haben. Rumänien hat mit sofortiger Wirkung alle Ausfuhren in Drittländer der EU – also auf den Weltmarkt – untersagt. In die EU-Länder darf nur dann geliefert werden, wenn der Käufer garantiert, dass die Ware in der EU verbraucht wird. Nicht klar ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ob es dabei bleibt, dass bereits geschlossene Kontrakte noch abgewickelt werden dürfen oder auch unter das Exportverbot fallen. Sollten auch bestehende Kontrakte unter das Verbot fallen, müssten die Exporteure auf andere Ursprünge ausweichen. Hiervon könnte möglicherweise auch deutscher Weizen profitieren.

Mitte April rücken die Wachstums- und Witterungsbedingungen in den Fokus der Marktteilnehmer. Vor vier Wochen konnte noch überwiegend von guten Bedingungen gesprochen werden. Die Trockenheit der letzten Wochen hat aber die Sorgen vor Ertragsverlusten in einigen wichtigen Anbauregionen zunehmen lassen. Dies gilt in der EU insbesondere für weite Teile Deutschlands sowie Polens, aber auch für einige Gebiete in Russland und der Ukraine. Hinzu kommt, dass sich in Frankreich die Bestände  aufgrund der schwierigen Aussaat im letzten Herbst wesentlich schlechter als im letzten Jahr entwickelt haben. So hat das französische Landwirtschaftsministerium Ende März nur 62 % der Weizenbestände als gut oder besser beurteilt im Vergleich zu 84 % zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr. Zudem liegt die Weizenanbaufläche in Frankreich um 7,5 % unter der des Vorjahres. Dies ist die kleinste Anbaufläche der letzten 17 Jahre. COCERAL, der europäische Verband des Getreidehandels, hat seine Ernteschätzung für 2020 bereits an die kleineren Flächen und die schlechteren Wachstumsbedingungen angepasst. Entsprechend wird die diesjährige Weizenernte der EU-27 (ohne Vereinigtes Königreich) auf rund 125 Mio. t und damit um etwa 4 Mio. t unter der des letzten Jahres geschätzt. Aus diesen Zahlen kann aber noch nicht abgeleitet werden, dass Weizen teurer werden wird. Hierfür müsste die Nachfrage spürbar anziehen. Zudem können ausreichende Niederschläge die Ertragsaussichten wieder verbessern und gute Erträge möglich machen. Verkäufe auf Basis des aktuellen Preisniveaus bleiben attraktiv.