Frostschäden von großem Ausmaß: über 10.000 Positionen geschädigt

27.05.2020 Daniel Rittershaus

Rund 20 Sachverständige begrüßte der Vorstandsvorsitzende der VEREINIGTEN HAGEL, Dr. Rainer Langner, am vergangenen Montag zur so genannten Gemeinschaftstaxe in Achern-Mösbach.

Minister Hauk (Mitte) informiert sich über die Schadenregulierung bei (v.l.n.r.) Dr. Rainer Langer (Vorstandsvorsitzender), Klaus Mugele (Aufsichtsratsvorsitzender), Franz Josef Müller (Obstbaupräsident), Gabi Bär (Ortsvorsteherin), Ulrich Eppler (Bezirksdirektor)

 

Joachim Rukwied im Gespräch mit Dr. Rainer Langner und Ulrich Eppler. Fotos: VEREINIGTE HAGEL

 

Hintergrund sind die Frostnächte von Anfang April, die in Baden-Württemberg über einige Tage hinweg mehrere Tausend Hektar Wein und Obst zum Teil schwer geschädigt haben. „Rund 92% der Kernobstbestände, über die Hälfte des Stein- und Beerenobstes sowie fast ein Drittel der Reben“ wurden uns als geschädigt gemeldet“, fasst Bezirksdirektor Ulrich Eppler die aktuelle Situation zusammen. Jetzt gelte es bei den meisten Kulturen, die Schäden zu besichtigen und einen ersten Eindruck zu erhalten. Bei den Kirschen steht dagegen bereits die Endregulierung an, die kurz vor der Ernte vorgenommen werden muss. Mehrere Millionen Euro allein bei der VEREINIGTEN HAGEL werden sicherlich am Ende unter dem Strich ausbezahlt werden.

 

Versicherungen besser als staatlichen Ad-hoc-Hilfen

Dass rund 14.000 Hektar in Baden-Württemberg gegen Frost versichert sind, liegt an einem Pilotprojekt der Landesregierung, die Versicherungsprämie der Obstbauern und Winzer zu fördern. Minister Hauk, der an der Taxe ebenfalls zugegen war, stellte in diesem Kontext fest: „Die gute Beteiligung der Landwirte an unserem bundesweit einmaligen Pilotprojekt zur Förderung von Versicherungsprämien zeigt, dass die Branche Verantwortung für die Gestaltung ihrer Zukunft übernimmt. Klar ist aber auch, dass für die mit staatlicher Unterstützung versicherbaren Kulturen und Risiken zukünftig keine Ad-hoc-Hilfen mehr gewährt werden.“

Hauk sprach sich zudem ganz klar für Versicherungslösungen als geeignete Maßnahme für das betriebliche Risikomanagement aus. Mit der Gewährung des Zuschusses erhielten die Betriebe den Anreiz das finanzielle Risiko witterungsbedingter Ernteausfälle zu mindern.

 

Das Frostrisiko nimmt trotz Klimawandel zu

Bereits eine Woche vor dem Termin Achern berichtete Dr. Langner anlässlich einer weiteren Taxe in Löwenstein (Kreis Heilbronn), warum das Risiko von Frostereignissen zunimmt, obwohl der Klimawandel doch etwas anders vermuten lasse: „Durch die schon früh im Jahr steigenden Temperaturen hat sich auch die Phänologie verändert. Die Blüte der einzelnen Kulturen hat sich in den letzten Jahren um einige Tage bis Wochen nach vorne verschoben. Gleichzeitig treten Frostereignisse nach wie vor auf und können die Pflanzen nun vermehrt in der Vollblüte treffen. Die Schäden durch Frost nehmen dadurch sogar noch zu, auch wenn es auf den ersten Blick paradox erscheint.“ Auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, informierte sich bei der Gemeinschaftstaxe über Ausmaß der Frostereignisse und die beginnende Schadenregulierung. Die Einschätzung von Dr. Langner konnte er voll und ganz bestätigen. Diese Beobachtungen ließen sich auf die meisten landwirtschaftlichen Kulturen übertragen. Neben den Frostereignissen gäbe es aber noch weitere für die Landwirtschaft dramatische Entwicklungen. Die derzeitige Trockenheit verdeutliche nochmals, dass der Klimawandel eine der größten Herausforderungen der Menschheit ist und die Landwirtschaft davon besonders betroffen ist. Die Bauern produzierten regional erzeugte Lebensmittel und stünden für Versorgungssicherheit. Gerade in Zeiten von Corona sei dies vielen Menschen wieder bewusst geworden.

Die Absicherung der Betriebe gegen die finanziellen Risiken der Wettergefahren wird also weiter in ihrer Bedeutung zunehmen. Die Mehrgefahrenversicherung wird mehr und mehr das entscheidende Instrument des betrieblichen Risikomanagements werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass staatliche Ad-hoc-Hilfen zukünftig nicht mehr zu erwarten sind.