Frostschäden höher als erwartet

21.07.2020 Daniel Rittershaus

Kurz nach der ersten Besichtigung der Frostschäden vom 11. Mai 2020 waren die Experten op-timistisch, dass sich die Reben noch regenerieren könnten. Sachverständige der Vereinigten Hagel und Fachleute des fränkischen Weinbauverbandes rechneten mit Ertragseinbußen von rund 30%. Über 2/3 der 6.250 ha Rebfläche waren damals von dem Spätfrostereignis betroffen. Besonders schwer erwischte es die Mainschleife und den Raum Bad Kissingen.

Frostschaden Wein

Um den Schadenverlauf und das tatsächliche Regenerationspotential einzuschätzen, wurden unter der Leitung von Bezirksdirektor Dr. Philipp Schönbach kürzlich so genannte Zwischenbe-sichtigungen durchgeführt. Gemeinsam mit dem Weinbauexperten und stellvertretenden Be-zirksdirektor aus Alzey, Dr. Christian Kaiser, wurde festgestellt, dass sich die Reben entgegen den Erwartungen nicht vom Frost erholen konnten. Lage- und sortenspezifisch wird der Ernte-verlust aufgrund des Schadzeitpunkts und der nachfolgenden Witterung vermutlich sogar noch höher liegen als ursprünglich angenommen. Endgültig festgestellt wird der Schaden dann kurz vor der Lese.

Für die Experten steht fest, dass die Gefahr von Spätfrösten in den letzten Jahren zugenommen hat, auch wenn dies vor dem Hintergrund des Klimawandels paradox erscheinen mag. Das Deutsche Weininstitut berichtete bereits im Jahr 2018, dass aufgrund der warmen Temperatu-ren im zeitigen Frühjahr die Rebblüte statt im Juni bereits im Mai einsetzte. Dies bedeutet aber auch: Je früher die Vegetation beginnt, desto größer ist die Gefahr, dass die Blüten einem Spät-frost ausgesetzt werden.